Tertiärforschung im Spannungsfeld von Braunkohlenbergbau und Tagebausanierung
(Workshop an der Universität Leipzig, 16. März 2001)
Der Arbeitskreis Bergbaufolgelandschaften der Gesellschaft für Geowissenschaften e. V. lud für den 16. März 2001 zu einem Workshop an die Universität Leipzig, Institut für Geophysik und Geologie ein.
Die Veranstaltung war gemeinsam von Vertretern der Uni Leipzig (W. Ehrmann), dem Geologischen Landesamt Sachsen Anhalt (M. Thomae) und aus der Privatwirtschaft (J. Rascher, GEO montan GmbH Feiberg) inhaltlich vorbereitet worden. Ausgangspunkt der Überlegungen zum Workshop war die Tatsache, daß in den neuen Bundesländern, historisch bedingt, der Braunkohlenbergbau die Grundlage für die über hundertjährige Tradition der Tertiärforschung war. Trotz des intensiven Bergbau der letzten 50 Jahre steht jedoch einem hohen Erkundungsgrad der Braunkohlenlagerstätten ein geringer Erforschungsgrad des braunkohlenführenden Tertiärs gegenüber. Bis 1990 waren Rohstoffnachweis, Veredlungsmöglichkeiten und die Gewinnungstechnologie vorrangiges Ziel geologischer Arbeiten. Im Verhältnis zur umfangreichen Datenbasis gibt es nur wenige moderne, flächendeckende regionalgeologische und sedimentologische Arbeiten. Auch genetische, paläogeographische und klimatische Fragestellungen spielten in der Vergangenheit eine sekundäre Rolle. Die wenigen Publikationen, die sich diesen Themen widmeten, kamen aber zu durchaus bemerkenswerten Schlußfolgerungen.

Im Vordergrund des Workshops stand deshalb die Fragen, wie durch Vernetzung von Grundlagen- und Angewandter Forschung die enorme Datenmenge des ostdeutschen Braunkohlenbergbaues einer umfassenden arbeitsteiligen Forschung zugänglich gemacht werden kann, von der alle Partner partizipieren. Ziel des Treffens war es zu prüfen, wie die Fülle der historisch und gegenwärtig erhobenen geowissenschaftlichen Daten für eine zukünftige interdisziplinäre Tertiärforschung zu nutzen ist, die zur Lösung grundlegender Probleme der Daseinsvorsorge mit Hilfe des Wissens zur Tertiärentwicklung und gleichzeitig auch zur Klärung hydrogeologischer, ingenieurgeologischer und anderer praktischer Fragen beitragen kann.
Am Workshop nahmen Fachkollegen/innen aus universitären Forschungseinrichtungen, Museen und geologischen Fachbehörden, aus dem Braunkohlenbergbau und von Geo-Ingenieurbüros teil. Diskussionsteilnehmer meinten, dass es sinnvoll sei, zwei Projektideen weiter zu verfolgen. Ein Projekt der Grundlagenforschung soll sich mit der Verzahnung mariner und terrestrischer Sedimente im Übergangsbereich mariner und kontinentaler Fazies beschäftigen. Hierfür bietet sich der mitteldeutsche Raum besonders an. Ein zweites anwendungsorientiertes Projekt soll die Weiterentwicklung der Methodik und länderübergreifende Anwendung der Lithofazieskarte Tertiär sein. Die Teilnehmer vereinbarten, mit Hilfe des Internet in Verbindung zu bleiben (Diskussionsforum auf der Homepage der GGW e.V. in Vorbereitung) und im Jahre 2002 einen weiteren Wokshop in Amsdorf (Sachsen-Anhalt) zu veranstalten.
Programm:
Plenarvorträge zur Paläogeographie/Stratigraphie des mitteldeutschen Tertiärs (H. BLUMENSTENGEL, Jena) und Tertiärforschung in Sachsen (G. STANDKE, Freiberg)
Beiträge aus Forschungsinstituten
M. HELLMUND, Halle (Geiseltalforschung)
D. TONDERA, Freiberg (Inst. für Geotechnik TU Bergakademie Freiberg)
A. MÜLLER, Leipzig (Marines Tertiär Mitteldeutschlands)
O. TIETZ, Görlitz (Braunkohlenbergbau Berzdorf)
Beiträge von Behörden
R. EICHNER, M. THOMAE, Halle (Tertiärforschung Sachsen-Anhalt)
E. GEISZLER (Tertiärarbeiten des LfUG)
Beiträge aus Industrie
J. RASCHER, Freiberg (Tertiärforschung aus Sicht Ingenieurbüros)
R. BÖNISCH, Senftenberg (Lausitzer Braunkohlenindustrie)
An der Veranstaltung nahmen über 30 Fachkollegen/Fachkolleginnen von Universitäten und Museen, aus den geowissenschaftlichen Behörden, der Braunkohlenindustrie und aus geowissenschaftlich arbeitenden Ingenieurbüros teil. Die Ergebnisse der Plenumdiskussion sollen über die GGW e.V. für Interessenten zugänglich gemacht werden.

